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Integration von Kindern mit Fluchterfahrung

Kinder aus Flüchtlingsfamilien brauchen Schutz und Unterstützung

Unter den Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen sind  zahlreiche geflüchtete Kinder und Jugendliche. Auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben mussten sie unter teilweise dramatischen Umständen ihr Zuhause, einen Teil ihrer Familie und ihre Freunde verlassen. Für sie gilt wie für alle Kinder in Deutschland: Kinder sind besonders schutzbedürftig und haben ein Recht auf Unterstützung und individuelle Förderung!

Was jetzt gebraucht wird, ist neben Herz und Mitgefühl für die Kleinsten vor allem eine schnelle Hilfe mit Angeboten, die den speziellen Bedürfnissen der geflüchteten Kinder gerecht werden. Ziel ist es, geflüchteten Kindern möglichst rasch einen geordneten Alltag zu ermöglichen und sie in Kindertagesbetreuung und Schulen zu integrieren, um ihnen gute Chancen für die Zukunft zu ermöglichen.

Die Kindertagesbetreuung fördert die Integration
Sobald eine Familie nach ihrem Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung einer Kommune zugewiesen wurde, haben auch Kinder aus asylsuchenden Familien ab der Vollendung des 1. Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert diese Plätze im Finanzierungssystem des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz NRW). Für jedes Kind, das von den Jugendämtern zur Betreuung angemeldet wird, leistet das Land einen finanziellen Zuschuss von rund 35 Prozent der anfallenden Kosten, bei unter dreijährigen Kindern liegt dieser Finanzierungsanteil bei rund 55 Prozent. Im Zusammenhang mit der stufenweisen Revision des KiBiz hat die Landesregierung seit dem laufenden Kindergartenjahr 2015/2016 zudem sichergestellt, dass dies uneingeschränkt auch bei unterjähriger Aufnahme von Kindern gilt.

Wir wollen, dass die Kinder aus Flüchtlingsfamilien von den frühkindlichen Bildungsangeboten in der Kindertagesbetreuung profitieren. Denn der Bereich der frühkindlichen Bildung ist der erste und wichtigste Schritt für eine gelingende Integration und erfolgreiche Bildungsbiographie.

Die Landesregierung stellt in diesem Jahr 20 Millionen Euro zusätzliche Mittel für die Betreuung von Kindern aus Flüchtlingsfamilien bereit. Daraus fördert Nordrhein-Westfalen vorrangig sogenannte „Brückenprojekte“, also niedrigschwellige Betreuungsangebote, die Kinder und ihre Eltern an institutionalisierte Formen der Kindertagesbetreuung heranführen und in denen die Kinder bereits während dieser Zeit gezielt und nach ihren spezifischen Bedürfnissen gefördert werden, wie zum Beispiel pädagogisch begleitete Spielgruppen oder Eltern-Kind-Gruppen. Auch werden fachliche Unterstützungsangebote für das Personal in den Kindertageseinrichtungen gefördert.

Good-Practice-Beispiele für Brückenprojekte

Beispiele für gelungene Brückenprojekte finden Sie hier.

Mit frühpädagogischen Angeboten wollen Brückenprojekte Kindern und Familien mit Fluchterfahrung den Weg in die erste Bildungseinrichtung Kita erleichtern. Aus den ersten Erfahrungen umgesetzter Brückenprojekte sind Empfehlungen für Strukturierungshilfen und Lösungsansätze für die besonderen Herausforderungen abgeleitet worden. Hier finden Sie die zusammengefassten Ergebnisse.

Neue Elternbroschüre informiert in zwölf Sprachen

Die Elternbroschüre „Willkommen in der Kita!“ lädt zugewanderte Eltern dazu ein, ihre Kinder in einer Kita anzumelden und so schon früh von den Bildungsangeboten in Nordrhein-Westfalen zu profitieren.

Die Informationen umfassen Kurzbeschreibungen

  • zur Arbeit der Kindertageseinrichtungen,
  • zum Anmeldeverfahren in der Kindertageseinrichtung,
  • zu den Angeboten der Kindertageseinrichtung,
  • zur Rolle der Eltern und
  • den Hinweis auf den Kita-Finder.

Die Broschüre steht als Gesamtbroschüre sowie in den Einzelsprachen Deutsch, Arabisch, Dari, Farsi, Englisch, Paschto, Russisch, Sorani, Albanisch, Tigrinisch und Urdu zum Download bereit.

Steckbriefe zu Sprachen und Bildungssystemen einiger Herkunftsländer

Familien mit Fluchterfahrung sprechen unterschiedliche Sprachen und bringen verschiedene Bildungsbiographien aus unterschiedlichen Bildungssystemen mit. Die vorliegenden Steckbriefe sollen pädagogischen Fachkräften erste Informationen über mögliche Herkunftsländer und Familiensprachen bieten, um Familien gezielt beim Ankommen im deutschen Bildungssystem unterstützen zu können.

Ministerin besucht "Mobile Kita"

Ministerin Christina Kampmann mit Flüchtlingskinder bei ihrem Besuch der Mobilen KiTa in GelsenkrichenMinisterin Christina Kampmann besuchte eines der ersten Brückenprojekte für Flüchtlingskinder, den Wohnwagen der Mobilen Kita in Gelsenkirchen. Das Interesse der Kommunen an den Brückenprojekten ist sehr groß.

Brückenprojekt: Mobile Kita in Gelsenkirchen

Mobiles Betreuungsangebot für Flüchtlingskinder im Stadtteil – ein Ort zum unbekümmerten Spielen, Singen und Lachen
Die Kleinsten unter den Flüchtlingskindern sollen in Nordrhein-Westfalen schnell die Möglichkeit erhalten, in die Kita zu gehen und von den frühpädagogischen Bildungs- und Betreuungsangeboten zu profitieren. Das Kinder- und Jugendministerium unterstützt die Kinder und ihre Familien unter anderem durch die Förderung von sogenannten Brückenprojekten. Diese sollen den spielerischen Erwerb der deutschen Sprache sowie den Übergang in eine reguläre Kindertageseinrichtung erleichtern. Neben Eltern-Kind- oder Spielgruppen werden dabei zum Beispiel auch mobile Kindertagesstätten unterstützt. Ein schönes Beispiel für ein erfolgreiches Brückenprojekt ist die Mobile Kita (MoKi) in Gelsenkirchen.
 


Bildquelle: GeKitaUnterwegs im Stadtviertel

In Gelsenkirchen wird schon seit Längerem eine Willkommenskultur für Kinder aus Zuwandererfamilien gepflegt. Um seinerzeit die Integration von Familien aus Rumänien und Bulgarien zu fördern, hat die Stadt ein Handlungskonzept zur „Zuwanderung im Rahmen der EU-Ost Erweiterung“ entwickelt, aus der 2014 die Idee der Mobilen Kita, kurz „MoKi“ genannt, entstand.

Was anfangs noch als verrückte Idee belächelt wurde, nahm schnell Gestalt an: Ein alter Wohnwagen wurde mit viel Herzblut umgebaut und mit Spielmaterial ausgestattet. So ging das Experiment einer mobilen Tagesstätte los. Ein Fahrer, zwei Erzieherinnen und eine sozialpädagogische Fachkraft machten sich mit viel Enthusiasmus auf den Weg in prekäre Gelsenkirchener Stadtviertel. Dort wurden sie überwältigt von der positiven Resonanz.

Die Mobile Kita kommt an
Keine Spur von Hemmschwellen oder Sprachbarrieren: Die Mobile Kita sprach sich schneller herum als gedacht und schon am zweiten Tag kamen doppelt so viele neugierige Kinder, die im Kindergarten auf vier Rädern mitspielen wollten. Auch von den Eltern wurde die Mobile Kita von Beginn an sehr gut angenommen. Vor allem den Müttern bietet das Angebot einen sicheren Ort, wo sie Fragen stellen und Hilfe suchen können, aber auch einfach nur Kontakte knüpfen oder einen Kaffee trinken können.

Inzwischen ist zum alten Wohnwagen dank großzügiger Spenden ein zweites Wohnmobil hinzugekommen. So können montags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr jeweils zwei Standorte in Gelsenkirchen angefahren werden. Das Betreuungsteam ist auf insgesamt elf Fachkräfte mit interkulturellem Hintergrund angewachsen. Darunter sind zum Beispiel eine Erzieherin aus Rumänien und dem Irak und eine Kinderpflegerin aus Syrien.

„Die muttersprachlichen Kenntnisse des Betreuungsteams erleichtern zwar in speziellen Situationen den Zugang zu den Kindern, aber die Gemeinschaftssprache ist natürlich Deutsch“, betont Yvonne Bakenecker als Fachberaterin des Projektes „Zuwanderung EU-Ost und Flüchtlingskinder“ in Gelsenkirchen. So wurde auch der Sprachkurs „Mama lernt Deutsch in der Mobilen Kita“ initiiert, um den Müttern einen Zugang zur deutschen Sprache zu ermöglichen. Während die Kinder von Fachkräften der Mobilen Kita betreut werden, lernen die Mütter den alltagsorientierten Gebrauch der deutschen Sprache, um zum Beispiel eine Verständigung mit dem Kinderarzt zu erleichtern.

„Natürlich haben wir von unseren Erfahrungen profitiert, als 2015 verstärkt auch Flüchtlingskinder aus den Kriegs- und Krisengebieten in die Mobile Kita kamen“, erklärt Bakenecker, die das Projekt von Beginn an begleitet. „Aber zuallererst sind es Kinder wie alle anderen auch. Jedes einzelne Kind hat seine persönliche Geschichte im Rucksack und wir haben die Aufgabe, uns den Inhalt anzuschauen und diesen Rucksack neu zu befüllen.“ Um das Ankommen in Gelsenkirchen zu erleichtern, bietet die Mobile Kita vor allem einen sicheren Schutzraum, an dem die Kinder unbeschwert spielen, basteln und lachen können. Besonders das gemeinsame Singen, erzählt Yvonne Bakenecker, ist bei den Kindern sehr beliebt.

Durchschnittlich je 25 Kinder zwischen drei und sechs Jahren pro Standort besuchen täglich die beiden mobilen Betreuungsangebote. Jedes Kind ist willkommen, die Nationalitäten inzwischen bunt gemischt. Und im Nachmittagsbereich kommen oft auch Geschwisterkinder hinzu. In den Stadtteilen, in denen die Mobile Kita präsent ist, finden nachmittags zusätzlich Spielgruppen in den städtischen Kindertageseinrichtungen statt. So können sich Kinder wie Eltern außerhalb regulärer Kita-Öffnungszeiten langsam mit der neuen Umgebung vertraut machen.

Das Konzept geht auf
In der Mobilen Kita gibt es keine Anmeldung, keine verbindlichen Bring- und Abholzeiten und keine Gebühren. Die Kinder spielen gemeinsam, erlernen die deutsche Sprache und gewöhnen sich an einen geregelten Tagesablauf. Die Mobile Kita schafft so erfolgreich eine Brücke zwischen den Kulturen. Durch die behutsame Heranführung der zugewanderten Kinder an das hiesige Betreuungssystem kann wichtiges Vertrauen, auch auf Elternseite, aufgebaut werden. Lieder, Fantasiespiele, Memory oder Spiele wie Hocus und Lotus fördern die Sprachentwicklung und bereiten die Eingewöhnung in die reguläre Kita mit ihren festgelegten Strukturen vor. 160 „MoKi-Kinder“ besuchen mittlerweile Spielgruppen in Kindergärten, 67 wurden in regulären Kitas angemeldet. Erst im August 2015 haben wieder 15 Kinder erfolgreich in eine örtliche Kindertageseinrichtung gewechselt.

Das Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert und aus Mitteln der Stadt Gelsenkirchen, des Jobcenters und aus Spenden finanziert.

Kontakt GeKita – Gelsenkirchener Kindertagesbetreuung
Yvonne Bakenecker
Wildenbruchplatz 7
45875 Gelsenkirchen
E-Mail: yvonne.bakenecker@gekita.de

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E-Mail: kita.nrw@mfkjks.nrw.de