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Sprachliche Bildung

Grundlagen

Sprachliche Bildung von Anfang an

Sprache zählt zu den wichtigsten Schlüsselkompetenzen für das lebenslange Lernen und den späteren Erfolg in Schule und Bildung. Besonders für Kinder am Anfang ihrer Sprachentwicklung und für Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, ist die frühe Sprachbildung und Unterstützung sprachlicher Kompetenzen von ausschlaggebender Bedeutung. Aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zeigen, dass die Sprachentwicklung von Kindern vor allem durch anregende alltägliche Gespräche positiv beeinflusst wird.

Alltagsintegrierte Sprachbildung

Eine sprachanregende Umgebung im pädagogischen Alltag der Kindertagesbetreuung bietet dafür viele Anlässe. Deshalb wird die sprachliche Bildung verstärkt in den Alltag der Kindertageseinrichtungen integriert. Mit dem zum 1. August 2014 in Kraft getretenen KiBiz-Änderungsgesetz hat das Land die Grundlagen für diese Neuausrichtung der Sprachförderung im Elementarbereich beschlossen.

Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt

Seit einigen Jahren erfährt das Thema des mehrsprachigen Aufwachsens eine erhöhte Aufmerksamkeit und hat durch die Zuwanderung von Familien mit Fluchterfahrungen weiter an Aktualität gewonnen.

Jedes Kind ist einzigartig und unterscheidet sich von anderen in verschiedensten Merkmalen. Dazu zählt neben bspw. der kognitiven und motorischen Entwicklung auch das häusliche sprachliche Umfeld. Ziel sprachlicher Bildung ist es, alle Kinder mit einzubeziehen und ihnen so die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Über die Gewährung von Teilhabechancen hinaus bedeutet inklusive sprachliche Bildung aber auch die Anerkennung und Wertschätzung von Mehrsprachigkeit – und dies bereits in der Kindertagesbetreuung.

Studien belegen, dass Kinder durchaus in der Lage sind, mehrere Sprachen zu lernen, ohne dass die Kompetenzen in einer Sprache darunter leiden. Mehrsprachigkeit sollte daher als Chance wahrgenommen und genutzt werden. Dafür ist es von großer Bedeutung, alle Sprachen, die ein Kind lernt und spricht, wertzuschätzen und zu unterstützen. Dies kann nur dann erfolgen, wenn genügend und vielfältige Sprachbildungsangebote in allen Sprachen existieren. Dabei nehmen die Eltern eine wichtige Rolle in der Unterstützung der Familiensprache(n) ein, während das Deutsche in der Kindertagesbetreuung im Fokus steht.

Dem Inklusionsgedanken folgend, besteht der Anspruch, mehrsprachig aufwachsende Kinder gemeinsam mit einsprachig (monolingual) aufwachsenden Kindern in einer inklusiven Alltagspraxis zu fördern. Jedes Kind, unabhängig davon, wie viele oder welche Sprachen es spricht, wird in seiner individuellen Sprachentwicklung unterstützt.

Die Erstsprache ist von hoher Relevanz für die Identitätsentwicklung des Kindes. Sie ist die Sprache, mit der das Kind die Welt erkundet und die es ihm ermöglicht, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle auszudrücken, und ist grundlegend für die weitere mehrsprachige Entwicklung. Die Erstsprache eines Kindes prägt sowohl das sprachliche Wissen als auch das Weltwissen eines Kindes und damit Gedanken, Erkenntnisse, innere Haltungen, Gefühle und kulturelle Einstellungen. Die Bewertung dieser Sprache durch die Gesellschaft nimmt Einfluss darauf, ob und wie viel ein Kind seine Erstsprache anwendet. Als Einflussfaktor für den erfolgreichen Zweitspracherwerb sind die Kenntnis der Erstsprache und ihre Wertschätzung demnach von entscheidender Bedeutung.

Informationsflyer für Eltern

Die Neuausrichtung zur alltagsintegrierten Sprachbildung ist ein Prozess, der in vielen Kindertageseinrichtungen bereits angestoßen wurde.

Um die alltagsintegrierte Sprachbildung möglichst individuell gestalten zu können, wird die Sprachentwicklung jedes Kindes von Beginn an beobachtet. So können die pädagogischen Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen Ihr Kind bei der Sprachbildung bestmöglich begleiten und möglichst früh unterstützen.

Der neu erschienene Flyer für Eltern informiert Sie ausführlich über die „Alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung für Kinder in Kindertageseinrichtungen – Information für Eltern“. Der Flyer beantwortet Ihnen Fragen wie

  • Welche Kinder werden in der Entwicklung ihrer sprachlichen Kompetenzen unterstützt?
  • Wie erfolgt die entwicklungs- und prozessbegleitende Beobachtung der Sprachentwicklung?
  • Welche Qualifizierung benötigen die Kräfte in den Einrichtungen?

Weitere fachliche Grundlagen zur Sprachförderung und Beobachtungsverfahren finden Sie in der Broschüre „Alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung im Elementarbereich – Grundlagen für Nordrhein-Westfalen“, die das Land in einem gemeinsamen Prozess mit den Trägern von Tageseinrichtungen für Kinder, den Landesjugendämtern und der Wissenschaft erarbeitet hat.

Der Flyer „Alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung für Kinder in Kindertageseinrichtungen – Information für Eltern“ steht an dieser Stelle in verschiedenen Sprachen zum Download zur Verfügung. Die Flyer liegen nicht in gedruckter Form vor. Der Eltern-Flyer in Deutsch steht Ihnen jedoch auch im DIN-A4-Format zum Selbstausdrucken zur Verfügung.

Informationen zum Elternflyer „Alltagsintegrierte Sprachbildung“ in einfacher Sprache

Der Wunsch, einen Elternflyer zur alltagsintegrierten Sprachbildung auch in einfacher Sprache anzubieten, kam vielfach als Anregung aus der Praxis der Kindertagesbetreuung. So sollen möglichst viele Eltern erreicht werden. Der Flyer in einfacher Sprache orientiert sich an den Regeln für leichte Sprache.

Zielgruppe

An wen richtet sich der Flyer in einfacher Sprache?

  • Eltern mit geistiger und anderen Behinderungen,
  • Eltern mit Lernschwierigkeiten oder die nur über eine begrenzte Bildung verfügen sowie
  • Eltern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist und deren Sprache nicht zu den übersetzten Sprachen des Flyers gehört. Der Flyer in einfacher Sprache eignet sich somit auch für Eltern mit noch geringen Deutschkenntnissen.

Regeln Leichter Sprache

Leichte Sprache im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) erleichtert Menschen das Verstehen von Sprachinhalten und Texten. Sie dient damit auch der Barrierefreiheit.

Leichte Sprache folgt bestimmten Regeln und ist u. a. gekennzeichnet durch

  • kurze Hauptsätze,
  • weitgehenden Verzicht auf Nebensätze,
  • die Verwendung von bekannten Wörtern, während schwierige Wörter erklärt werden,
  • die Vermeidung von technischen Ausdrücken, Abkürzungen und Initialen,
  • ein klares und großes Schriftbild ohne Serifen,
  • häufige Absätze (nach jedem Satzzeichen sowie bei sinnvollen Satzabschnitten wird ein Absatz gemacht),
  • die Trennung von zusammengesetzten Nomen durch Punkte oder Bindestriche.
Bildungs- und Erziehungspartnerschaft

Das familiäre Umfeld ist der erste und wichtigste Ort des Spracherwerbs. Für die gelingende Förderung und Sprachentwicklung Ihres Kindes ist der Austausch zwischen Eltern und den pädagogischen Kräften über Vorstellungen, Kenntnisse und Beobachtungen zum Spracherwerb Ihres Kindes von entscheidender Bedeutung. Ihr Kind verfügt über Potenziale und Fähigkeiten, die es gemeinsam zu erkennen, zu unterstützen und weiterzuentwickeln gilt. Wenden Sie sich daher mit Ihren Fragen rund um das Thema Sprachbildung und Sprachförderung jederzeit direkt an die pädagogischen Kräfte in der Kindertageseinrichtung oder der Kindertagespflege Ihres Kindes.

Kontakt

Ihr Kontakt zu uns

Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen
Haroldstraße 4
40213 Düsseldorf
Tel.: +49(0)211 837-02
Fax: +49(0)211 837-2200
E-Mail: kita.nrw@mkffi.nrw.de