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Die Regenbogenfische im Ev. Kindergarten und Familienzentrum St. Johann

Die Regenbogenfische im Ev. Kindergarten und Familienzentrum St. Johann

Ev. Kindergarten und Familienzentrum St. Johann
Hinter dem Kloster 3
32657 Lemgo

Die Einrichtung „Ev. Kindergarten und Familienzentrum St. Johann“, die im Verbund mit einem weiteren evangelischen Kindergarten in Rampendal steht, richtet sich in ihrem Betreuungsangebot an behinderte und nicht behinderte Kinder unterschiedlicher Kultur im Alter von 0,4 bis 6 Jahren. Sie möchte die Kinder ganzheitlich und abhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand fördern und bezieht dabei individuelle Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder in das Gruppensetting mit ein. Der christliche Glaube stellt zudem ein zentrales Element dar, das den Kindern eine Orientierungshilfe fürs Leben sein soll. Zuletzt ist die Elternarbeit ein wichtiger Eckpfeiler der Einrichtung, durch den die Eltern die Möglichkeit bekommen, aktiv Strukturen mitzugestalten. In dieses Grundgerüst fügt sich die seit April 2016 stattfindende Kindergruppe „Regenbogenfische“ ein, die auf dem Gelände des Kindergartens integriert ist. Sie soll eine Gewöhnung für Kinder mit Fluchterfahrung an Regelversorgungsstrukturen darstellen und ist eng an die Aktivitäten der regulären Kindergruppen der KiTa angebunden.

Kontakt zu den Familien

Die Kontaktaufnahme zu den Familien geschieht vermittelt über das Jugendamt oder über Geschwisterkinder, die schon im Projekt angemeldet sind. Derzeit sind 5 Kinder im Alter zwischen 3 und 4 Jahren angemeldet, wobei das Betreuungsangebot für 2- bis 6-Jährige konzipiert wurde. Die Kindergruppe ist für die Familien gut erreichbar, die entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus zum Angebot gelangen.

Die Räumlichkeiten

Die Räumlichkeiten der Kindergruppe „Regenbogenfische“ befinden sich in einem Nebenhaus des Kindergartens, in dessen Erdgeschoss noch eine weitere KiTa-Gruppe ihren Standort hat. Im Obergeschoss wurden ein Hauptraum, eine kleine Garderobe mit Waschbecken und ein Elternraum für das Brückenprojekt hergerichtet. Die Sanitäranlagen werden von der Gruppe im Erdgeschoss mitgenutzt. Der Raum der Regenbogenfische wurde an die Bedürfnisse der Kinder angepasst: Es befinden sich eine Ecke mit Tisch, ein Spielteppich mit großem Ruhekissen und einem zusätzlichen kleinen Straßenteppich für Spielautos sowie ein weiterer kleiner Spielbereich in einer anderen Ecke in dem Raum. Alle Bereiche sind durch Aufbewahrungsmobiliar und eine große hölzerne Murmelbahn räumlich voneinander abgetrennt. Das Spielzeug ist für die Kinder frei zugänglich verstaut. Der Außenbereich des Kindergartens mit großen Wiesen- und Sandflächen, Klettergerüsten – inklusive eines kleinen Kletterparcours – und einer Rutsche kann mitgenutzt werden.

Das Angebot

Die Regenbogenfische-Gruppe hat montags bis freitags von jeweils 8:30 bis 12:30 Uhr geöffnet. Eine Erzieherin, die mittwochs und donnerstags zusätzlich von jeweils einer Ehrenamtlichen unterstützt wird, betreut die 5 Kinder. Zudem besteht ein enger Kontakt zu der Leitung des Kindergartens. Das Angebot richtet sich an Kinder mit Fluchterfahrung zwischen 2 und 5 Jahren, die keinen KiTa-Platz haben. Doch auch die Eltern werden mit in das Projekt integriert, für welche ein Raum für den gegenseitigen Austausch und niedrigschwellige Sprachförderung eingerichtet wurde. Dort befinden sich eine kleine Kaffeeecke und Materialien wie (Bilder-)Wörterbücher, die in gemeinsamer Runde am Tisch genutzt werden können. Ein Grundgedanke ist das Ermöglichen einer langsamen Eingliederung der Kinder in gesellschaftliche und Bildungsstrukturen wie die einer KiTa. Die Eltern ziehen sich immer mehr aus dem Projekt zurück und die Kinder kommen in immer mehr Kontakt mit den anderen KiTa-Kindern, indem sie gemeinsam draußen spielen und in bestehende KiTa-Angebote mit eingebunden werden.

Die Angebotsstruktur

Das Angebot beginnt mit einer Phase des offenen Ankommens von 8:45 bis 9:15 Uhr. Danach schließt sich das gemeinsame Frühstück der Kinder mit der Erzieherin an. Je nach Wochentag folgen verschiedene Angebote: Montags gehen die Kinder mit einer anderen Gruppe aus dem Kindergarten zusammen in dessen Turnhalle, in der die Bewegung im Vordergrund stehen soll. Mittwochs oder donnerstags, wenn die Erzieherin von einer weiteren ehrenamtlichen Kraft unterstützt wird, finden vermehrt Ausflüge zusammen mit anderen KiTa-Gruppen statt. Hier standen beispielsweise schon Waldbesuche oder einfache Spaziergänge, aber auch gemeinsames Einkaufen oder Marktbesuche auf dem Tagesplan. An anderen Tagen werden Kreativangebote wie Basteln zu einem bestimmten Thema, Malen mit selbst gemachten Fingerfarben oder auch gemeinsames Waffelbacken durchgeführt. Auch das Nutzen des großen und vielseitigen Spielplatzes der KiTa ist sehr beliebt. Je nachdem, wie es mit diesen Angeboten zeitlich zusammenpasst, findet zwischen 11:45 und 12:00 Uhr ein gemeinsames Beenden des Regenbogenfische-Tages statt. Zu diesem Zweck wird ein Sitzkreis gebildet, in dem Sing- und Bewegungsspiele wie beispielsweise „Aramsamsam“ zusammen durchgeführt werden. Nach dem Abholen der Kinder nutzt die Erzieherin die verbleibende Zeit zur Vor- und Nachbereitung der Angebote und der Räumlichkeiten sowie zur Abstimmung anstehender Förderangebote mit den Kolleginnen der KiTa.

Für die Eltern findet einmal wöchentlich das Rucksack-Projekt statt, das ein Angebot zur Sprachförderung darstellt. Mütter mit Migrationshintergrund sprechen in diesem Rahmen Deutsch miteinander und bekommen Arbeitsblätter, die sie mit ihren Kindern in der Muttersprache bearbeiten sollen. In der KiTa wiederum werden die gleichen Arbeitsblätter mit den Kindern auf Deutsch bearbeitet. So wird den Kindern ermöglicht, Begrifflichkeiten besser zuordnen zu können, und für Mütter wie für Kinder ist eine Struktur geschaffen, in der sowohl die Herkunftssprache als auch die deutsche Sprache aktiv gefördert werden.

Besonders positiv fällt auf, wie gut die Kinder der Regenbogenfische-Gruppe in die Gemeinschaft des Kindergartens aufgenommen werden und wie dankbar und gern auch die Eltern an diesen Angeboten teilnehmen. So findet zum Beispiel zweimal im Jahr eine Bibelwoche statt, die die ganze KiTa gemeinsam gestaltet, und auch beim letzten Gemeindefest wurden die unterschiedlichen Kulturen der Kinder mit eingebunden. Jedes Kind durfte seine Landesfahne auf eine große Weltkarte pinnen und jede Familie hat eine landestypische Speise mitgebracht. Außerdem haben sich die Betreuungspersonen aktiv Wissen zum Thema „Umgang mit Traumaerfahrungen“ eingeholt und angeeignet, um auch mit herausfordernden Situationen umgehen zu können.

Vernetzung und Kooperation

Weil es sich bei der Einrichtung um ein Familienzentrum handelt, gibt es ein großes regionales Netzwerk im Hintergrund der KiTa St. Johann. Eingebettet in ein konzeptionelles Angebot von 5 Brückenprojekten in der Trägerschaft der Fürstin-Pauline-Stiftung, findet dieses Angebot seit April 2016 statt. Es besteht eine enge Kooperation zwischen dem Träger und der KiTa.

Des Weiteren besteht zum Beispiel eine Kooperation mit dem Mehrgenerationenzentrum, in dem auch die Flüchtlingshilfe angesiedelt ist. Familiäre Anliegen verschiedenster Art können hier einen Ansprechpartner finden. Zudem weist das Familienzentrum zu mehreren Beratungsstellen und Einrichtungen der Stadt ein Netzwerk auf, wie beispielsweise zur Erziehungsberatungsstelle, zum Jugendamt und zum Sozialamt. Für Anliegen in den Bereichen wie beispielsweise Wohnung, Möbel und das Stellen von verschiedenen Anträgen stehen hier direkte Ansprechpartner zur Verfügung. Eine weitere wichtige Kooperation stellt jene mit dem Kommunalen Integrationszentrum im Kreis Lippe dar. Über dieses konnte das Rucksack-Projekt für Mütter mit Migrationshintergrund ins Leben gerufen werden. Es stellt aber auch Dolmetscher, die bei schwierigeren Verständigungsproblemen eingeschaltet werden können, zur Verfügung und Fortbildungen wie zum Beispiel zum Thema „Arbeiten mit Migrationsfamilien“ werden zum Teil auch durch das Kommunale Integrationszentrum getragen.